Bildung braucht Rückenwind: 5 Punkte zur zukunftsfähigen Schule in Schleswig-Holstein

Für die Bildung von Kindern, Jugendlichen und Erwachsenen brauchen wir ein starkes Schulsystem mit Lehrkräften und Schulleitungen, die sich im Fokus um die Schülerinnen und Schüler sowie ihre Bildung kümmern können. Dabei verstehen wir Schule als additives System, indem Eltern und Schülerschaft mit Verantwortung übernehmen. Die Rahmenbedingungen hierfür sind aktuell vielfach unzureichend. Um echte Verbesserung zu ermöglichen, braucht es einen Paradigmenwechsel hin zu mehr Freiheit, Verantwortung und Wertschätzung für alle handelnden Personen vor Ort an den Schulen und in der Gesellschaft.

Die schleswig-holsteinische Schullandschaft muss sich also in wesentlichen Kernthemen weiter entwickeln hin zu einem System, in dem Schülerschaft, Lehrkräfte und Schulleitungen ihre Schule in wesentlichen Punkten formen und gestalten können.

Daher fordern wir besonders in den folgenden Punkten ein Umdenken:

1. Die selbstwirksame Schule: Top-down war gestern – jetzt spricht die Schule

Der Kern unserer Bildungslandschaft stellt jede einzelne Schule in Schleswig-Holstein jeweils mit ihrer Schülerschaft, ihren Lehrkräften und ihrer Elternschaft dar. Jede unserer Schulen ist in dem, was sie aus macht einzigartig, und sollte daher den weitestmöglichen Gestaltungsspielraum für die Weiterentwicklung haben. Das bedeutet konkret für uns, dass das Bildungsministerium ein modernes Grundmodell für die Schulorganisation, Lernformate und pädagogische Konzepte vorlegt. Auf Basis dieses Grundmodells können Schulen ihre innovativen Lernformate und pädagogischen Konzepte weiterentwickeln.

Dafür müssen Schulaufsicht und Schulen zusammen größtmöglichen Gestaltungsspielraum von Bildungsprozessen haben. Das IQSH sowie das SHIBB müssen ihre Angebote dabei möglichst nah an die Bedarfe der Schulen anpassen.

2. Lehrkräftemangel: Ohne Lehrer kein Unterricht – wie lange wollen wir noch warten?

Wir sind der Auffassung, dass der Lehrkräftemangel eines der zentralen Herausforderungen unserer Bildungslandschaft in Schleswig-Holstein ist. Daher müssen wir entschieden dafür einstehen, dass  erfolgreich in Schleswig-Holstein ausgebildeten Lehrkräfte möglichst schnell eine Planstellen an Schulen angeboten wird. Hierfür müssen die Bedingungen geschaffen werden, dass die langfristige Personalplanung insbesondere durch Planstellen den sich verschärfenden Lehrkräftemangel bekämpft. Um dies zu erreichen, muss die Unterrichtsversorgung möglichst schnell auf mindestens 105% erhöht werden.

Zusätzlich müssen wir das Studium für Lehrkräfte an unseren schleswig-holsteinischen Hochschulen mit entsprechenden finanziellen Mitteln ausstatten, damit die Studierenden bestmöglich ausgebildet werden.

Ebenfalls der Mangel an Schulleitungen ist eine Herausforderung, die wir angehen müssen. Damit der Beruf des Schulleiters wieder attraktiver wird, müssen sie von Aufgaben entlastet werden, beispielsweise durch Assistenzkräfte, die insbesondere Verwaltungsaufgaben übernehmen. Die Schulleitung muss wieder eine attraktive pädagogische Leitungsfunktion werden.

3. Wer alle gleich behandelt, lässt viele zurück

Wir erkennen an, dass jeder Schüler und jede Schülerin einen unterschiedlichen und teils vielfältigen Förderbedarf hat. Wir müssen daher wieder gezielte Schutzräume für alle Förderbedarfe und Einschränkungen der Schülerinnen und Schüler einrichten. Wir fordern daher den Aufbau von Förderzentren und Förderschulklassen in räumlicher und organisatorischer Nähe zu Gemeinschaftsschulen. Wir sehen auch einen besonderen Förderbedarf für hochbegabte Menschen.

Dabei wollen wir sicherstellen, dass die Anerkennung und Aberkennung von Förderbedarfen deutlich beschleunigt und vereinfacht wird. Fördermaßnahmen müssen den Schülerinnen und Schülern als Möglichkeit nicht als Zwang zur Verfügung gestellt werden.

Weiterhin muss es Schulen möglich gemacht werden, wieder nach Bildungsniveaus unterscheiden zu dürfen, ohne dabei auszugrenzen. Es muss das Ziel sein, passgenaue Bildungschancen zu offerieren mit dem Fokus auf Förderung und qualitätsvoller Ausbildung.

4. Digitalisierung meets Bildung: Für eine Schule, die befähigt – nicht beschränkt

Wir sehen die Schule in der zentralen Verantwortung Schülerinnen und Schüler auf ihrem Weg zu mündigen Bürgerinnen und Bürger zu bilden, die in der Lage sind, sich in einer sich immer weiter digitalisierenden Gesellschaft zurechtzufinden. Als Schlüssel hierzu sehen wir keine pauschalen Verbote als Schlüssel zum Erfolg. Wir müssen auf eine Schulbildung setzen, die digitale Kompetenzen und Urteilskompetenzen als zentrale Befähigungen in den Mittelpunkt stellt. Um das erreichen zu können, brauchen wir die entsprechende Ausstattung und exzellent weitergebildete Lehrkräfte. Hierfür müssen das IQSH und das SHIBB sich unter anderem als Fortbildungsbörse für Lehrkräfte verstehen, damit diese besser in den Alltag integriert werden können.

Um für eine digitale Gesellschaft auszubilden müssen die Schülerinnen und Schüler altersgerecht Selbstmanagementkompetenzen entwickeln und dafür kontinuierlich Medien- sowie Demokratiebildung erhalten. Außerdem müssen wir alternative Leistungsnachweise als Ersatz für Klassenarbeiten als wichtige Elemente der Leistungsüberprüfung noch intensiver ausbauen und möglich machen.

5. Entfesselt die Schule von der Bürokratie

Schulen sollten von übermäßiger Bürokratie entlastet werden, damit Lehrkräfte sich stärker auf ihre pädagogischen Aufgaben konzentrieren können. Dabei bieten digitale Werkzeuge für Unterrichtsmanagement die Chance, Verwaltungsprozesse effizienter zu gestalten und den Schulalltag nachhaltig zu vereinfachen.