Hausarztgebundene Versorgungsteams für die Fläche - Modellregion für moderner Primärversorgung in Schleswig-Holstein

Schleswig-Holstein soll eine Modellregion für hausarztgebundene Versorgungsteams schaffen.

Kern des Modells ist ein klarer Aufbau in drei Ebenen:

1. Hausarztgebundene Gemeindepflegekraft
Sie ist erste Ansprechpartnerin bzw. erster Ansprechpartner für die Patientinnen und Patienten vor Ort. Sie übernimmt routinemäßige Hausbesuche, begleitet stabile Verläufe, erhebt Vitalparameter, koordiniert die Versorgung und die Prävention und erkennt Veränderungen frühzeitig. Dafür braucht sie pflegerische Grundkompetenz und eine Fortbildung im Bereich Telemedizin, Dokumentation und Notfallmedizin.

2. Spezialisierte MFA oder Physician Assistants
Sie werden gezielt dann eingesetzt, wenn weiterführende, standardisierte (Vor-) Untersuchungen, Blutentnahmen oder diagnostische Vorbereitung indiziert sind. Sie werden von der Hausarztpraxis turnusgemäß delegiert oder durch die Gemeindepflegekraft bedarfsgerecht angefordert. Diese Ebene soll bewusst schlank und regional flexibel organisiert werden.

3. Hausärztinnen und Hausärzte
Sie bleiben die steuernde und verantwortliche Ebene. Diagnosestellung, Therapieentscheid und Gesamtverantwortung verbleiben jederzeit bei ihnen.

Finanzierung: 

Für die Modellregion soll die Förderung initial über den Versorgungssicherungsfond Schleswig-Holsteins erfolgen. Der Fonds dient ausdrücklich dazu, die medizinische Grundversorgung in der Fläche zu sichern und innovative ambulante, stationäre und sektorenübergreifende Versorgungskonzepte zu fördern.

Deshalb soll die Modellregion ferner der Ausgangspunkt dafür sein, eine Weiterentwicklung des Abrechnungssystems zu erreichen. Wir wollen weg von einem System, das gute Versorgung zu oft durch Niderlassungshemnisse mit starren Budget- und Mengenlogiken ausbremst, und hin zu einem System, das koordinierte, aufsuchende und teamgetragene Versorgung sinnvoll ermöglicht.

Der Landesparteitag fordert die Landtagsfraktion und die Landesregierung auf:

1.) eine geeignete Modellregion in Schleswig-Holstein auszuwählen

2.) die Finanzierung über den Versorgungssicherungsfonds primär sicherzustellen und frühzeitig die Abrechnungs- und Zulassungssysteme zu adaptieren

3.) ein klar gegliedertes Versorgungsmodell mit hausarztgebundener Gemeindepflegekraft, medizinischer Vertiefungsebene und hausärztlicher Steuerung zu entwickeln

4.) die Modellregion wissenschaftlich zu begleiten und auszuwerten

5.) die Ergebnisse zu nutzen, um auf Bundesebene eine grundlegende Reform der Abrechnungs-, Vergütungs- und Zulassungsstrukturen für ambulante Versorgung voranzutreiben.